bedside table

table

Ist das ein Opiumtisch?, fragt die Gegenüber.
Ja, aber ohne Opium.
Wozu brauchst du denn einen Opiumtisch?
Na, er sieht gut aus und passt perfekt in ein chinesisches Zimmer. Um Dinge abzulegen und so, sag ich.
Du hast ein chinesisches Zimmer?
Ja, hab ich.
Mit allem drum und dran?
Ja, mit allem drum und dran. Nur ohne Opium.
Verrückt!, sagt sie.
Wir schweigen eine Weile. Dann sage ich:
Ich habe auch ein Geschenke-einpack-Zimmer …

 

cloud

cloud

Nun mach schon, sagt die Gegenüber, mein Arm schläft langsam ein.
Ich blitze. Einmal, zweimal, weitere Male.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen mehrmals und mehrfach?, frage ich.
Sie zuckt die Schultern. Und fragt dann: Und was ist der Unterschied zwischen lebendig und lebend?
Na, dein lila Zweig ist auf jeden Fall weder-noch, sag ich und blitze weiter in verschiedenen Einstellungen.
Kriegst du das hin, dass es aussieht wie ein Zweig und gleichzeitig wie eine Wolke?, fragt sie.
Gleichzeitig oder zugleich?, frage ich.
Ho ho!, ruft sie. Das wird ja immer besser. Keine Ahnung, wie es richtig heißen muss. Gleichzeitig? Zugleich? Gleichzeitig? …
Ok, ich bin fertig, sag ich. Ich denke, es sind ein paar ganz unterschiedliche Fotos geworden.
Prima, sagt sie und schüttelt ihren Arm aus. Dann hol den Duden, und ab aufs Sofa!
Sofa oder Couch?, frag ich.

makes me smile

smile

Du kommst aber spät, sagt die Gegenüber.
Wir waren zum Konzert, sag ich und lasse mich in den erdbeerroten Sessel fallen, um die Schuhe auszuziehen.
Was gab’s denn?, fragt sie und zieht an meinem Stiefel.
Neue Musik.
Neue Musik? Was ist denn das?
Das klingt so, als ob ein ganzes Orchester seine Instrumente stimmt. Oder wenn es zehn Minuten lang nur 5 Töne gibt und sonst nur Stille. Und wenn der Ton dann kommt, ist er so schräg, dass das Trommelfell quietscht. Und dazwischen ist Stille, die so still ist, dass man die knurrenden Mägen der anderen hört.
Aha. Das klingt großartig.
Wir grinsen uns an.
Ich würde mich totlachen, sagt sie dann.
Ehrlich gesagt hatte ich am Anfang auch ziemliche Mühe, nicht zu lachen, aber nicht über die Musik, sondern über das Publikum. Die sitzen alle so andächtig und genießend. Dabei könnte das Orchester totalen Schrott spielen. Das kriegt man ja gar nicht mit.
Du konntest dich aber beherrschen, oder?, fragt sie.
Na klar. Ich bin doch erwachsen!
Und außerdem, ergänzt sie, kann man sich das doch mal unvoreingenommen anhören. Davon geht ja die Welt nicht unter, nicht wahr?!
Genau. Ich merke, auch du bist erwachsen.
Sie wirft einen Stiefel nach mir, und wir rennen lachend um den Esstisch.

in your hand

hand

Wo bleibt denn nur die Bügelfee?, fragt die Gegenüber. Seit einem Monat kein Lebenszeichen von ihr … nee, Moment: seit zwei Monaten kein Lebenszeichen! Ihr wird doch wohl nichts zugestoßen sein?
Tja, sag ich. Sieht aus, als müsstest du selbst ran.
Keine Lust, sagt sie mit einem Blick auf den Bügelberg.
Habe vollstes Verständnis, sag ich.
Dann seufzen wir beide und holen das Bügelbrett.

something beginning with e

exit

Mein Anwalt hat Klage gegen die Entlassung eingereicht, eröffnet mir die Gegenüber.
Aha, sage ich und bohre die Gabel in den Käsekuchen. Ist das die Exit-Strategie, die du mal angedeutet hast?
Sie lacht.
Genau: der sogenannte Plan E. E wie Epilog. Wenn ich schon gehen muss, dann muss es mit rechten Dingen zugehen. Und bei mir ging es nicht mit rechten Dingen zu.
Ich weiß, sag ich.
Wer sich nicht wehrt, macht was verkehrt, fährt sie fort.
Absolut richtig. Erfolgsaussichten sollten aber auch dabei sein.
Das ist ja immer schwer einzuschätzen – wir werden sehen. Aber wenn ich das auf mir sitzen lasse, kann ich mich mein Leben lang nicht mehr im Spiegel ansehen.
E wie Ego, sag ich.
E wie Ehre, sagt sie.

 

pattern

pattern

Was soll das sein?, fragt die Gegenüber und zeigt auf das Foto.
Das Leben, sag ich.
Sie schweigt und schaut.
Und wo sind die Fische?, fragt sie dann. Die Kaninchen im Unterholz? Habichte? Die Klumpigkeit der Erde? Die klare Luft? Und die Glühwürmchen? Rennpferde? Moore? Baumhäuser? Dorfanger …
Du warst zu lange in den Bergen, unterbreche ich ihren Redefluss.
Mag sein, antwortet sie und legt den Kopf schräg. Aber deshalb sehe ich klarer als du.
Ach wirklich?
Ja, sagt sie.
Ich warte darauf, dass sie noch etwas ergänzt, aber sie lässt sich Zeit.
Kobolde und Elfen sehen auch nicht so eckig aus, sagt sie schließlich. Dann dreht sie sich zu mir und grinst: Zweifelst du jetzt an meinem Verstand?
Du wirst schon wieder normal werden, wenn du ne Weile hier bist. Das Leben ist so wie auf dem Foto. Kantig, sperrig, spitz.
Außer Käsekuchen, ruft sie.
Oh Mann …

 

fork

fork

Was für ein komisches Motto für das Bild des Tages, sage ich.
Was ist denn das Motto?, ruft die Gegenüber aus dem Spiegel.
Ach! Da bist du ja wieder. Warst lange weg.
Jaaa, sagt sie gedehnt, ich hab doch mein eigenes Leben.
Ich weiß, sag ich. Geht’s dir gut?
Ich war für ’ne Weile in Innsbruck – musste mal raus. Da war’s ganz nett. Bunte Häuser. Hohe Berge. Ein gutes Theater, mit vielen Spiegeln im Foyer – sie lacht. Und der Inn hat immer diese faszinierende helltürkise sprudelnde Farbe.
Aber?, frage ich.
Naja, sagt sie. Irgendwann hat man genug. Bunte Häuser, Berge, Theater, der Inn, und das war’s. Mehr gibt’s nicht. Man kann gar nicht so schnell ins Theater gehen, wie einem langweilig wird.
Und dann hast du beschlossen, wieder zurückzukommen?
Ja, sagt sie.
Aber hier ist es doch auch langweilig, sage ich.
Wo Gabeln dramatische Schatten auf Küchenrollenpapier werfen und dabei fotogafiert werden, kann es nicht langweilig sein.
Ah. Ok…
Wir schweigen eine Weile.
Ich hab dich vermisst, sag ich.
Ich dich auch, sagt sie.