something beginning with e

exit

Mein Anwalt hat Klage gegen die Entlassung eingereicht, eröffnet mir die Gegenüber.
Aha, sage ich und bohre die Gabel in den Käsekuchen. Ist das die Exit-Strategie, die du mal angedeutet hast?
Sie lacht.
Genau: der sogenannte Plan E. E wie Epilog. Wenn ich schon gehen muss, dann muss es mit rechten Dingen zugehen. Und bei mir ging es nicht mit rechten Dingen zu.
Ich weiß, sag ich.
Wer sich nicht wehrt, macht was verkehrt, fährt sie fort.
Absolut richtig. Erfolgsaussichten sollten aber auch dabei sein.
Das ist ja immer schwer einzuschätzen – wir werden sehen. Aber wenn ich das auf mir sitzen lasse, kann ich mich mein Leben lang nicht mehr im Spiegel ansehen.
E wie Ego, sag ich.
E wie Ehre, sagt sie.

 

pattern

pattern

Was soll das sein?, fragt die Gegenüber und zeigt auf das Foto.
Das Leben, sag ich.
Sie schweigt und schaut.
Und wo sind die Fische?, fragt sie dann. Die Kaninchen im Unterholz? Habichte? Die Klumpigkeit der Erde? Die klare Luft? Und die Glühwürmchen? Rennpferde? Moore? Baumhäuser? Dorfanger …
Du warst zu lange in den Bergen, unterbreche ich ihren Redefluss.
Mag sein, antwortet sie und legt den Kopf schräg. Aber deshalb sehe ich klarer als du.
Ach wirklich?
Ja, sagt sie.
Ich warte darauf, dass sie noch etwas ergänzt, aber sie lässt sich Zeit.
Kobolde und Elfen sehen auch nicht so eckig aus, sagt sie schließlich. Dann dreht sie sich zu mir und grinst: Zweifelst du jetzt an meinem Verstand?
Du wirst schon wieder normal werden, wenn du ne Weile hier bist. Das Leben ist so wie auf dem Foto. Kantig, sperrig, spitz.
Außer Käsekuchen, ruft sie.
Oh Mann …

 

fork

fork

Was für ein komisches Motto für das Bild des Tages, sage ich.
Was ist denn das Motto?, ruft die Gegenüber aus dem Spiegel.
Ach! Da bist du ja wieder. Warst lange weg.
Jaaa, sagt sie gedehnt, ich hab doch mein eigenes Leben.
Ich weiß, sag ich. Geht’s dir gut?
Ich war für ’ne Weile in Innsbruck – musste mal raus. Da war’s ganz nett. Bunte Häuser. Hohe Berge. Ein gutes Theater, mit vielen Spiegeln im Foyer – sie lacht. Und der Inn hat immer diese faszinierende helltürkise sprudelnde Farbe.
Aber?, frage ich.
Naja, sagt sie. Irgendwann hat man genug. Bunte Häuser, Berge, Theater, der Inn, und das war’s. Mehr gibt’s nicht. Man kann gar nicht so schnell ins Theater gehen, wie einem langweilig wird.
Und dann hast du beschlossen, wieder zurückzukommen?
Ja, sagt sie.
Aber hier ist es doch auch langweilig, sage ich.
Wo Gabeln dramatische Schatten auf Küchenrollenpapier werfen und dabei fotogafiert werden, kann es nicht langweilig sein.
Ah. Ok…
Wir schweigen eine Weile.
Ich hab dich vermisst, sag ich.
Ich dich auch, sagt sie.