#Gedankenbeimzähneputzen

Heute geht’s zu Dirk, endlich. Die letzten Tage vor dem Termin fühlt man sich nur noch wie Struppi. Zehn Jahre kümmert er sich nun um meinen Schopf, zehn Jahre schöne Haare. Das ist mir doch eine gute Flasche Sprudelwasser wert. Und sehr viel Dank und schöne Wort und eine Umarmung. Wer einen guten Friseur hat, der weiß, wovon ich spreche.

#Gedankenbeimzähneputzen

Die Gefahr an einem Urlaubstag: Man macht zu viel Bügeln und Co. und hat gar keinen Urlaub. (Wir machen das so, sagte die Gegenüber: Die T-Shirts kaufen wir online. Die Blusen haben ich extra auf den Bügel gehängt, die sind kerzengerade, da muss nix gebügelt werden. Der Kühlschrank ist voll – du hast ja kaum was gegessen. Von den To-dos bleibt als nur noch der Knopf, der angenäht werden muss. Und dann kannst du wieder an den Rechner. Ich lache.)

#Gedankenbeimzähneputzen

Wie war das nochmal mit der Verlängerung des Ankerpunkts? (Ich tue mich schwer mit der aktuellen Gestaltungsaufgabe, sagte ich zur Gegenüber gleich nach dem Aufwachen. Du hast echt keine Probleme, murmelte sie, ich schlafe noch. Das tat sie tatsächlich noch einige Minuten; währenddessen verschob ich im Geiste schon wieder diese vedammten Ankerpunkte.)

#Gedankenbeimzähneputzen

Heute basteln wir ein Logo. Los geht’s! (Es ist eine weit verbreitete Unsitte, sage ich zur Gegenüber beim Frühstücken, dass ständig jeder bei jedem Ding, Projekt, Konzept oder Gedanken als erstes ein Logo basteln will. Als ob das die Lösung aller Probleme des Projektmanagements wäre. Ist es nicht. Ein Logo ist kein Konzept, und ein selbstgestricktes Logo verhält sich zur Professionalität wie Omas Strickmütze zum Fascinator von Lady Di. „Do it yourself“ ist nicht die Lösung: nicht beim Haareschneiden, nicht beim Lichtschalter-Reparieren und auch nicht im Design. Es lohnt sich immer, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Und deshalb verziehe ich mich jetzt: Ran an den Illustrator und losstudiert.)

#Gedankenbeimzähneputzen

„Migrant Bird“ – was für eine schöne Schöpfung. (Positives Framing, ruft die Gegenüber und fuchtelt mit dem Zeigefinger vor meinem Gesicht. Das ist positives Framing. Ich nickt und greife ihren Finger: Das weiß ich doch. Es ist eine fantastische Formulierung.)

#Gedankenbeimzähneputzen

Nolde? Mantegna und Bellini? Burgert? Oder Picasso? Auf jeden Fall sollten wir später einen Sake auf den Tenno trinken. (Die beiden hatten’s echt drauf, flüsterte ich der Gegenüber zu. Schau mal: Die Flügel der Engel, wie von Schmetterlingen. Ich liebe diese Details in frühen Gemälden. Die Schnecken, die am untere Rand krabbeln. Die kleinen Kieselsteine auf dem Weg, den Maria nimmt. Den Hund, der langgetreckt auf der Seite schläft und nicht bemerkt, wie Minerva die Laster vertreibt. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Können wir nochmal eine Runde machen, einfach ohne zu lesen? Nur schauen?)