#Gedankenbeimzähneputzen

Ich wünschte, ich könnte sagen, in unserer Küche hätten ständig Literaten gesessen, die Shakespeare übersetzten. Ich finde, das klingt super, wenn man als Erwachsene gefragt wird, woher man diese oder jene Fähigkeit hat. Wenn man dann von den Literaten erzählen könnte, würden alle sagen: Ah, na dann ist es doch kein Wunder, dass du so belesen und sprachgewandt bist!
Da wird eine Kausalität konstruiert, die keine ist. In unserer Küche saßen Wellensittiche, und ich selbst habe als Göre in einem russischen Dorf Kühe geärgert. Ich bin trotzdem belesen und sprachgewandt. Aber erklären Sie das mal jemandem. Insofern würden Literaten in der Küche mein Leben einfacher machen.

#Gedankenbeimzähneputzen

Lebt eigentlich jemand in den Tälern des Hindukusch? Unter anderem 4.000 Menschen der Kalasha-Kultur. Das Arte-Doku-Team kam ins Dorf, hielt einer junger Frau das Mikro unter die Nase, und sie sagte Ich studiere Jura. Ich werde die ersten Juristin der Kalasha sein. Sie sagte es auf Englisch. Fließend. Normalerweise spricht sie natürlich die Kalasha-Sprache. In der Schule hat sie Kalasha auf Urdu gelernt. Weil es noch keine Bücher in der Kalasha-Sprache gibt, keine Buchstaben, keine Schrift. Deshalb sind die Schulbücher auf Urdu – erzählte sie auf Englisch, in einem Dorf ohne Wasser und Strom, in einem Tal im pakistanischen Hindukusch. Noch Fragen?

#Gedankenbeimzähneputzen

Also: Die Badekappe und ich gehen definitiv nicht zusammen. Was nun? Ich brauche dringend eine Badekappe. Ich möchte nicht mein edles Haar schützen, sondern die blaue Lagune vor meiner Haarfarbe. Ausbluten ist da das passende Wort. Aber die Schwimmerbadekappen sind so eng, da bekomme ich eine Gehirnquetschung. Außerdem sehe ich aus wie ein Molch.

#Gedankenbeimzähneputzen

Es ist still wie drei Uhr nachts. Dank des BVG-Streiks. Es ist so schön still. Man hört nur die Vögel singen und nicht die Räder der Straßenbahn. Der Morgen ist phantastisch. Gleich geht’s per pedes zur S-Bahn. Ein Morgenspaziergang. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …

#Gedankenbeimzähneputzen

Du kannst dir ein Gemälde aussuchen, sagte der Traum. Aber nur 1 von allen Gemälden auf der Welt. Und das kannst du dann behalten. Welches nimmst du? (Haha, der Traum hat gedacht, das sei eine schwierige Frage. Da war er bei mir aber an der falschen Adresse.) Ich nehme ein monochromes Blau von Yves Klein. Oder doch Mark Rothko? Nee, Yves Klein. Ich bleibe dabei. Yves Klein. — Das ging ja schnell, sagte der Traum und begann, sich zu verflüchtigen …
Sehr cool, der Traum, finden Sie nicht? Interessant, dass ich im Schlaf aus dem Effeff Fragen beantworte, über die ich noch nie nachgedacht habe. Und würde mir die Gemäldefrage im Wachzustand gestellt, würde ich tatsächlich genauso entscheiden – es ist verrückt. Selbst wenn ich jetzt noch eine Weile darüber nachdenke: Tizian? Renoir? Klee? Mondrian? Franz Marc? Hm, das ist alles schön, alles grandios. Aber Yves Klein! Also, Yves Klein … Nicht von dieser Welt.
Möchte mir also jemand die Eingangsfrage stellen? Ich wäre bereit.

#Gedankenbeimzähneputzen

Chinesisches Neujahr. Welches Tier sind wir ab jetzt?
Das Schwein, oink, oink. Aber kein profanes, sondern ein Erdschwein. Gemeinschaft, Teamgeist und fröhliches Zusammensein. Als strenger Hahn bin ich ein gutes Gegengewicht gegen das Fünfe-grade-Lassen des Erdschweins. Das ist eine gute Kombi. Und auch wenn man nicht dran glaubt, ist es doch beruhigend, wenn selbst im esoterischen Hintergrund alles stimmt.

#Gedankenbeimzähneputzen

Was ist dein drittliebster Dinosaurier?, fragte mich der Junge in der Straßenbahn. Puh. Wamweracaudia keranjei, schoss es aus mir raus. Das hatte ich (was es für Zufälle gibt!) gerade in einer Pressemitteilung des Naturkundemuseums gelesen. Große Kinderaugen. Mein zweitliebster ist der mit den drei Hörnern, sagte ich schnell, damit keine Rückfragen kommen, der sieht aus wie ein Nashorn, aber ich habe vergessen, wie der heißt, irgendwas mit Tri.Triceratops?, fragte der Junge. Genau der!, rief ich. Den mag ich auch, sagte der Junge. Und mein allerliebster Dinosaurier, erklärte ich, und das war nicht mal gelogen, ist der Archeopterix. Der konnte fliegen, der war richtig cool. Ich nickte dazu gewichtig. Dann dachten wir beide eine Weile nach, der Junge murmelte Archeopterix, Archeopterix, ich versuchte, mich krampfhaft an weitere Dinosaurier zu erinnern für mögliche Nachfragen. Aber dann musste ich raus. Du stellst richtig kluge Fragen, sagte ich zum Jungen und nickte ihm zu. Leuchtende Muttiaugen. Und beim Zähneputzen am nächsten Morgen wälzte ich noch immer die Dinosaurierliste und fragte mich, ob der Archeopterix überhaupt ein Dinosaurier war. Hatte ich dem klugen Kind womöglich einen Bären aufgebunden? Die Fakten verdreht? Bullshit erzählt? Da fragt mal 1 Kind eine lebenswichtige Frage, und die Erwachsene versagt sofort.