#Gedankenbeimzähneputzen

Treibgut. Was für ein schönes Wort. Da wird einem gleich ganz still ums Herz. Und wie heißt es, wenn etwas angeflogen kommt und auf dem Balkon landet? Gibt es dafür auch ein Wort? Treibgut der Lüfte? Auf jeden Fall scheint mein Hirn von gedanklichem Treibgut überschwemmt zu sein, nicht nur beim Zähneputzen. Irgendwas treibt immer durch meinen Kopf, taucht ab, stößt an, wirbelt und fließt weiter oder landet an. Deshalb verstehe ich auch nicht, wie man beim Meditieren den Kopf frei machen soll. Bei mir geht das gar nicht. Bei mir strömt’s und strömt’s und strömt’s. (Deshalb tauchten in diesem kurzen Text mindestens 4 verschiedene Gedanken auf.)

#Gedankenbeimzähneputzen

Ich möchte heute eine Bewunderungsrede halten. Und dabei unter einer Zwirbelkiefer voller rosazarter Blüten stehen, meinen Blick über die Menschen schweifen lassen und sprechen wie in einer Kathedrale, damit mich alle hören. Geht das? Könnte das bitte jemand einrichten?

#Gedankenbeimzähneputzen

Medizinisch gesehen haben wir an vielen Stellen die Rückkehr zum Unsinn. Kann man nicht anders sagen. Stellen Sie sich bitte mal im Bücherladen vor das Ratgeberregal. Unsäglicher Quatsch, längst widerlegt, törricht und sogar gefährlich. Da lebt mittelalterlicher Blödsinn von der Eintracht gelber und schwarzer Galle (gibt’s nicht) genauso auf wie selbstgebastelte Ratschläge à la „Taranteln auf Sahnetorten helfen gegen Krebs“ (tun sie nicht) oder „Unser Darm ist ein verschmutztes Objekt und muss regelmäßig gereinigt werden“ (nein, muss er nicht, im Gegenteil). Ganz zu schweigen von den von Ideologien geprägten Ratschlägen und Verschwörungstheorien, bei denen sich der gesunde Menschenverstand nur noch schüttelt. Das alles steht reihenweise im Buchhandel.
Mir ist ja klar, dass jeder angehalten ist, selbst zu seiner Gesundheit bzw. Gesundung etwas beizutragen, und dafür Infos braucht. Deshalb sind die Bücherregale voller Ratgeber auch nachvollziehbar. Aber das muss doch was sein, was nachgewiesenermaßen hilft, unterstützt und fördert, finde ich, alles andere ist – gelinde gesagt – idiotisch. Nun könnte man sagen: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und soll gern zerhäckselte Baumrinde naschen, so viel er mag. Aber leider geht private Überzeugung sehr oft Hand in Hand mit einem missionarischen Eifer gegenüber Andersdenkenden, der das fundamentalistische Niveau einiger Religionsströmungen locker überschreitet. Und weil’s ums Geldverdienen geht, machen die Bücherläden mit. Mal sehen, wann es den ersten abgepackten „Baumrindenhack to go“ oder „Mach blau – trink Blausäure“ in der umweltgerechten Glaspipette, gefolgt vom Ratgeber „Wie repariere ich meinen Darm nach zu viel Blausäure?“ zu kaufen gibt. Bei deinem kleinen Buchhändler um die Ecke.

#Gedankenbeimzähneputzen

Meine Welt von Mo bis Fr ist inzwischen eine so grundverschiedene von der am Sa und So, dass ich manchmal glaube, zwei von mir zu sein. Mich irritiert das. Nicht, dass Sie denken, ich wäre eine gespaltene Persönlichkeit, ganz und gar nicht. Aber der Mo-bis-Fr-Mensch blockt jegliche Einflussnahme von außen ab, denn die Einflussnahme ist zum größten Teil mit dem Versuch verbunden, einen klein zu machen, gegen andere auszuspielen und sämtlichen beruflichen Lebenswillen zu minimieren, sofern man mehr will, als „Guten Morgen“ sagen. Der Sa-bis-So-Mensch saugt jede Einflussnahme von außen auf wie ein Schwamm. Schönheit, Kreativität, Erfolgswille, Engagement, Offenheit, Optimismus, Intelligenz, Veränderungsbereitschaft, Sturm und Drang, Fortschritt, Freiheit, Luft – immer her damit und rein in meinen Kopf und meine Seele.
Früher war das anders. Mir ist schon klar, woran das liegt, und es lässt sich derzeit nicht ändern. Aber es irritiert mich, weil ich bislang noch nie zwei von mir war.

#Gedankenbeimzähneputzen

Plan für heute: bei jeder Frage tiefgründig lächeln und lange schweigen. Nachtrag: Leider hat mich den ganzen Tag niemand was gefragt, so dass sich der Plan nicht verwirklichen ließ. Ich sollte das nochmal machen, wenn wenigstens eine Hand voll Kolleginnen und Kollegin im Büro präsent und nicht im Homeoffice oder in der Teilzeitfreizeit verschwunden sind. Ich glaube nämlich, dass das nicht so einfach ist mit dem Lächeln und Schweigen.