#Gedankenbeimzähneputzen

Heute vor 30 Jahren traf ich den lieben Augustin. Kinder, wie die Zeit vergeht … (Wir sind über Nacht mit dem Zug gefahren, erzähle ich der Gegenüber, ein Sonderzug, aus dem Nichts bereitgestellt von der Uni. Morgens um sechs waren wir in Wien. Wer wird gewinnen?, Wer wird gewinnen?, riefen wir dem Bahnsteigschaffner an der ersten österreichischen Station zu. Er lachte. Ist nicht wichtig, sagte er im schönsten österreichischen Singsang, haben Sie Spaß! Und dann winkte er dem Zug hinterher, der uns zum Stephansdom brachte, zu den Heurigen und zur Sachertorte, zum Riesenrad, zum lieben Augustin, den Türken vor der Stadt, zu den Diven der Staatsoper, den Habsburgern und zur UNO, zu Pommes in unserem ersten Fastfood-Restaurant, zu einem Wiener mit Schnupfen, der uns die Stadt zeigte und einen Stadtplan schenkte, und abends dann zum Fußball ins Happel-Stadion, in dem wir unsere Fahnen schwenkten im Fokus aller Fernsehkameras. Den Stadtplan rissen wir auf dem Rückweg in vier Teile, als Erinnerung, das war schon alles verrückt … Eine Weile hängen wir unseren Gedanken nach. Stell dir mal vor, sagt dann die Gegenüber, ihr hättet gewonnen. Dann wäre bei der Fußball-WM 1990 eine Mannschaft aufgelaufen aus einem Land, das es nicht mehr gibt. Ja, sage ich, das wär‘ war geworden …)

#Gedankenbeimzähneputzen

Mal sehen, was gestern alles aufgelaufen ist. Aber eigentlich weiß ich das schon. (Weil du deine Mails aufs Handy bekommst?, fragt die Gegenüber. Genau, dann sortiere ich schonmal vor, markiere die wichtigen, lösche die unwichtigen und fange schon mit dem Nachdenken an. Inhaltlich und strategisch. Und dann kann ich am Morgen direkt loslegen.)

#Gedankenbeimzähneputzen

Interessant wären doch auch mal die Geschichten von vor 29 oder 28 oder 27 Jahren. (Ich bin von den ewig gleichen Bildern übersättigt, stöhnt die Gegenüber. Geht mir genauso, sage ich, wieder und wieder und wieder die gleichen Geschichten, die Freudentränen, die Hysterie. Rollten ein Jahr später noch immer die Freudentränen?)

#Gedankenbeimzähneputzen

Linkerhand und linker Hand – wo ist der Unterschied? („Franziska Linkerhand“ ist ein DDR-Roman von Brigitte Reimann, erkläre ich der Gegenüber. Als es erschienen ist, war es die reine Provokation. Es ist trotzdem erschienen, irgendwann Anfang der 70er. Das Buch hat gefühlte 1000 Seiten und ist trotzdem unvollendet, weil die Autorin gestorben ist. Für mich in den 80ern – da habe ich das Buch gelesen – die blanke Offenbarung. Ich wollte werden wie Franziska Linkerhand, ich glaube, in vielen Punkten ihres Denkens bin ich auch so geworden.)